HerZen und Hang-Musik

Am 9.4.05 hatte ich in Zürich die Möglichkeit, eine Lesung mit Anna Tama, der Autorin des Buches HerZen durch meine Hang-Musik und mit der Sansula-Kalimba zu begleiten.

lesung.jpg

Zu diesem Buch

LeZenswert

Vier Menschen in völlig unterschiedlichen Lebenssituationen machen sich auf den Weg von Rom nach New York.

Francesco, ein junger Klosterschüler soll für neun Monate das weltliche Leben mit all seinen Facetten kennenlernen um herauszufinden, ob er bereit ist, sein Gelübde abzulegen und sich damit für ein Leben in Armut, Keuschheit und Gehorsam zu entscheiden. herzen.jpg Bob - erfolgreicher New Yorker Geschäftsmann, äußerlich nicht unattraktiv - hält es nach drei Wochen in Rom nicht mehr aus, soweit von seiner Firma entfernt zu sein, wo seine Angestellten sicher gerade alle Geschäfte vermasseln und seine Firma in den Ruin treiben. Er nimmt deshalb den nächsten Flieger und nimmt sich vor, gleich vom Flughafen aus in die Firma zu fahren um wieder für Ordnung zu sorgen.

Liz, die ihre Mutter in Rom besucht hat, hat Zeit für einen Abstecher über New York bevor sie zurück nach London fliegen möchte, wo sie lebt.

Der Japaner Stomu - seines Zeichens Zen-Buddhist - nimmt eine Flugverbindung über Rom nach Amerika, weil sein Vater dort gerade gestorben ist.

Alle vier werden jäh aus ihren Plänen und ihrem Leben gerissen und wachen zusammen in einer dunklen kleinen Zelle wieder auf. Betäubt und entführt. Auf unbestimmte Zeit an einem unbekannten Ort eingepfercht. Von Entführern, die sie gegen in den USA inhaftierte Rebellen eintauschen wollen.

Eine “spannende” Zeit beginnt, Tage, Wochen, Monate vergehen, die alle vier - jeden auf seine Weise - mit seinem Leben, seinem Bewusstsein und seinen Grenzen konfrontiert. Der Leser hat gute Chancen sich in dem einen oder der anderen wiederzufinden und nachzufühlen, was in dieser Situation in den Menschen vor sich geht und wie sie diese handhaben.

Natürlich kommt es zwischen den Gefangenen zu Spannungen und Konfrontationen, denn aus dem Weg gehen kann man sich nicht. Und überfordert sind alle. Alle? Stomu ist offenbar besser als die anderen in der Lage, seine neue Lebenssituation anzunehmen. Er nutzt die Zeit für Meditation und begegnet der Herausforderung der Gefangenschaft mit Demut. Er beginnt, in Franceso einen Menschen zu sehen, für den Zen genau das richtige zu sein scheint und entdeckt darin eine Aufgabe für sich.

Interessante Gespräche zwischen Stomu, Francesco und den beiden anderen entstehen und der Leser ist wieder ganz nah dabei und lernt ganz nebenbei einiges über Zen - und vielleicht über sich selbst.

Seit langem habe ich mal wieder einen “Roman” in wenigen Tagen gelesen und nicht nach der Hälfte weg gelegt. HerZen ist lesenswert bis zum Schluß. Wer sich durch den Titel und die Kurzbeschreibung angesprochen fühlt, oder einen Transatlantikflug vor sich hat, sollte sich das Buch nicht entgehen lassen.

Frank Herberg